Die Kräfte des Psychologischen Dienstes arbeiten auf den einzelnen Abteilungen mit festen Zuständigkeiten interdisziplinär mit den anderen Berufsgruppen zusammen, um gemeinsam das Ziel der Resozialisierung des Strafgefangenen bzw. Untergebrachten über individualisierte Hilfestellungen zu erreichen.

 a)    Psychosoziale Unterstützung

Die Haltung der Psychologinnen und Psychologen gegenüber Gefangenen und Untergebrachten ist von Wertschätzung und Akzeptanz geprägt. Durch ein wertschätzendes Annehmen des Gegenübers, aber auch klare Grenzziehung, soll langsam ein Problembewusstsein und eine Veränderungsmotivation bei den Insassen entstehen. Nachdem diese stabilisiert worden sind, werden individuell sinnvolle und effiziente Maßnahmen zusammengestellt, die zur persönlichen Weiterentwicklung genutzt werden können. Der Prozess wird durch die zuständige Kraft des Psychologischen Dienstes in Zusammenarbeit mit den Ansprechpartnern aus den Berufsgruppen des Allgemeinen Vollzugsdienstes, des Sozialdienstes, der Seelsorger, des Pädagogischen Dienstes und des Werkdienstes sowie externer Kräfte begleitet. In diesen Prozess werden bei Eignung auch vollzugsöffnende Maßnahmen einbezogen.

Bei jedem Gefangenen oder Untergebrachten wird der Versuch unternommen, diesen zu erreichen und zu unterstützen. Manchmal ist dies zur gegebenen Zeit aus unterschiedlichen Gründen, die in der Person des Insassen liegen, nicht möglich. In regelmäßigen Abständen wird der Versuch einer Motivation zur Zusammenarbeit dann wiederholt. So wird jedem Gefangenen und jedem Untergebrachten die Chance zur Veränderung gegeben.

 b)    Einzelangebote

Bei diesen Interventionen handelt es sich beispielsweise um Motivationsgespräche, psychologische Einzelgesprächsreihen, Krisenintervention, Psychotherapie bei zugelassenen Fachkolleginnen und -kollegen des Psychologischen Dienstes oder die Vermittlung in externe Psychotherapie bei staatlich anerkannten Psychotherapeuten, die „von außerhalb“ in die Anstalt kommen, um einzelne Inhaftierte oder Untergebrachte zu behandeln. Manchmal, z.B. bei Insassen, die der Justiz eher misstrauisch gegenüberstehen, hilft das Bewusstsein, jemanden „von draußen“ als Gesprächspartner zu haben. Die JVA Werl verfügt derzeit über 14 externe Einzelpsychotherapeutinnen und -therapeuten unterschiedlicher therapeutischer Ausrichtungen und Zusatzqualifikationen.

 c)    Gruppenangebote

Die hiesigen Gruppenangebote  werden zumeist interdisziplinär angeboten und konzentrieren sich auf spezielle Problembereiche. Als Beispiele seien hier das Reasoning & Rehabilitation-Programm („R&R“) zur Stärkung kognitiver Funktionen wie der Risikoabwägung (Wie treffe ich eine ausgewogene Entscheidung?), Skills-Gruppen zur Förderung emotionaler Kompetenzen (Wie fühle ich mich, warum fühle ich mich so und wie kann ich dafür sorgen, dass es mir besser geht?), das Coolness-Training und deliktorientierte Behandlungsprogramme für Gewalt- sowie Sexualstraftäter („BiG“ und „BPS“) genannt. Die Teilnahme an Behandlungsgruppen wird von den Behandlungsteams empfohlen, wenn die Notwendigkeit bei einem Insassen gesehen wird. Die Teilnahme beruht auf Freiwilligkeit. Da eine Behandlungsbereitschaft nicht in jedem Falle gegeben ist, wird in Motivationskontakten mit dem Strafgefangenen bzw. Untergebrachten auf die Entwicklung eines Problembewusstseins und einer Teilnahmemotivation hingewirkt.