Sozialtherapeutische Abteilung für die Sicherungsverwahrung („SoThA SV“)

Seit Mai 2016 erfolgt der Vollzug der Maßregel Sicherungsverwahrung in Nordrhein-Westfalen in der JVA Werl an einem zentralen Standort in einem eigens hierfür errichteten Neubau mit insgesamt 140 Plätzen. Innerhalb dieses Neubaus ist eine – für nicht die Sozialtherapie absolvierende Untergebrachte unzugängliche – Sozialtherapeutische Abteilung mit 30 Plätzen eingerichtet worden, welche ausschließlich für die umfassende Behandlung der in der Sicherungsverwahrung Untergebrachten zuständig ist.

Bei den in der Sicherungsverwahrung befindlichen Untergebrachten handelt es sich um Hochrisikotäter, die nach Verbüßung ihrer Freiheitsstrafe nicht aus dem Freiheitsentzug entlassen werden, da bei ihnen – unbehandelt – von einem dauerhaft erhöhten Rückfallrisiko für die Begehung schwerer und schwerster Gewalt- und/oder Sexualstraftaten bei gleichzeitig ungünstiger Behandlungsprognose auszugehen ist. Die Sozialtherapie im Bereich der Sicherungsverwahrung verfolgt vor diesem Hintergrund intensiv den gesetzlichen Auftrag, behandlungsgeeignete und behandlungsmotivierte Straftäter mit umfassenden, spezifischen therapeutischen und sozialen Mitteln zu befähigen, nach einer Entlassung aus dem Freiheitsentzug ein Leben in sozialer Verantwortung ohne erneute Begehung schwerster Straftaten, die Anlass zur Anordnung der Sicherungsverwahrung gegeben haben, zu führen.

Behandlungswillige Untergebrachte werden nach Feststellung der Behandlungsbedürftigkeit/-möglichkeit (sog. Indikation) auf freiwilliger Basis, d.h. auf Antrag, in die Sozialtherapie aufgenommen. Die Aufnahme setzt voraus, dass das Behandlungsteam grundsätzlich die langfristige Perspektive sieht, durch die Behandlungsmaßnahmen die Gefährlichkeit des Untergebrachten soweit zu reduzieren, dass vollzugsöffnende Maßnahmen und Erprobungen außerhalb der Anstalt erreicht werden können.

Mit der Aufnahme verpflichtet sich der Untergebrachte durch eine verbindliche Behandlungsvereinbarung u.a. zur Teilnahme an den darin festgelegten, umfassenden einzel- und gruppentherapeutischen Behandlungsmaßnahmen bzw. Modulen sowie zur Einhaltung von bestimmten Verhaltensregeln.

Bundeseinheitlichen Standards für Sozialtherapie genügend und in Umsetzung eines mit dem Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalens abgestimmten Konzeptes setzen die in dieser Abteilung tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Behandlungskonzeption um und entwickeln diese stetig weiter. Durch wissenschaftlich fundierte Verfahren zur Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen, ergänzt durch ressourcenorientierte und auf individuelle Behandlungserfordernisse abgestimmte Therapieangebote, soll im Verlauf der sozialtherapeutischen Behandlung eine Reduzierung des bestehenden Gefährlichkeitspotentials durch Erhöhung der Steuerungsfähigkeit und die Verringerung der Deliktmotivation und eine daraus resultierende sukzessive Resozialisierung erreicht werden. Das sozialtherapeutische Behandlungsangebot orientiert sich dabei am Konzept der Dialektisch-Behavioralen-Therapie, Forensik („DBT-F“), welches speziell für persönlichkeitsgestörte zwangsuntergebrachte Straftäter entwickelt und manualisiert wurde sowie am Konzept Klärungsorientierte Psychotherapie („KOP“), deren Hauptziel Motivklärung und die (Wieder-)Herstellung einer funktionalen Selbstregulation ist. Die daraus resultierende Intensität der Behandlung kann nur durch ein multiprofessionelles, festes und aufeinander abgestimmtes Behandlungsteam umgesetzt werden, welches zugleich als Rollenmodell für den Umgang mit Gefühlen, Konflikten, Selbstverantwortung und Selbstkritik in der „therapeutischen Gemeinschaft“ dient.

Ziel des therapiegerichteten Vollzugs der Sicherungsverwahrung ist damit die Schaffung der Voraussetzungen für eine Entlassung in die Freiheit nach Erprobung/Bewährung in vollzugsöffnenden Maßnahmen.